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Das Motorrad von Hildebrand und Wolfmüller

 Das "Motorrad" wird erfunden

Die Experten sind sich nicht einig, wem die Ehre gebührt, das erste Motorrad der Welt gebaut zu haben. Waren es Pierr Michaux und Louis Gabriel Perreaux, die im Jahr 1869 in ein Veloziped eine Dampfmaschine einbauten, oder Gottlieb Daimler, der im Jahr 1885 ein hölzernes Zweirad mit einem Verbrennungsmotor ausrüstete?

Auch wenn dieses Problem nicht eindeutig gelöst werden kann, so ist sicher, dass die Brüder Heinrich und Wilhelm Hildebrand sowie Alois Wolfmüller für ihr Zweirad das Wort »Motorrad« prägten. In dem Wolfmüller und Hans Geisenhof vom Kaiserlichen Patentamt ausgestellten Patent Nr. 78553 vom 20.1.1894 wird erstmals in Zusammenhang mit einem motorgetriebenen Einspurfahrzeug diese Wortschöpfung schriftlich erwähnt. Das 1893 von den Brüdern Hildebrand und den Mechanikern Alois Wolfmüller und Hans Geisenhof entwickelte Fahrzeug wurde ab Oktober 1894 in München gebaut. Es ist damit weltweit das erste zur Serienreife gelangte Motorrad, das in größeren Stückzahlen produziert wurde.

Ein Flugpionier baut Motorräder

Die Idee, ein motorgetriebenes Zweirad zu bauen, geht auf Heinrich Hildebrand zurück. Selbst begeisterter Fahrradfahrer, Gründer und Chefredakteur der erfolgreichen Zeitschrift Radfahr- Humor und Radfahr- Chronik machte er sich nach Abschluss seines Ingenieurstudiums an die Konstruktion neuartiger Fahrräder. Bereits 1889 versuchte Heinrich Hildebrand zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, die alte Idee vom dampfgetriebenen Fahrrad wieder aufzugreifen. Die als Fahrrad-Hilfsmotor konstruierte Dampfmaschine arbeitete jedoch nicht zufriedenstellend, so dass die beiden bald nach Alternativen suchten. Aus der Kooperation mit dem Flugpionier Alois Wolfmüller und dem Mechaniker Hans Geisenhof, einem Jugendfreund Wolfmüllers, ging im Jahr 1892 ein kleiner benzinbetriebener Zweitaktmotor hervor. Wolfmüller erhoffte sich insgeheim, auf diesem Weg zu einem geeigneten Flugmotor zu gelangen. 1893 sollte schließlich ein wassergekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor mit parallel angeordneten Zylindern den Zweitaktmotor ablösen. Diesen Motor baute man zunächst in gewöhnliche Fahrräder ein.

Die Fahrversuche zeigten jedoch, dass die Fahrradrahmen zu schwach ausgelegt waren. So beschloss das junge Team, ein spezielles Zweirad zu konstruieren und dieses als »Zweirad mit Petroleum- oder Benzinmotorantrieb « patentieren zu lassen. Bereits während dieser Entwicklungsphase planten die Brüder Hildebrand und Alois Wolfmüller ein Motorradwerk. Im März 1894 wurde in München die »Motorrad-Fabrik Hildebrand und Wolfmüller« gegründet. Um den Belastungen des Motorantriebes standzuhalten, mussten auch geeignete Reifen montiert werden. Der Reifenhersteller Friedrich Veith in Höchst/Odenwald (heute Veith-Pirelli AG) konnte als einziger kurzfristig für das Vorderrad den 26-Zoll und für das Hinterrad den 22- Zoll-Reifen liefern.

Hightech anno 1894

Technisch ist das Motorrad von Hildebrand und Wolfmüller intelligent konstruiert und in einigen Details seiner Zeit voraus. Herzstück der Konstruktion ist ein ungefederter Rahmen aus vier horizontalen Stahlrohren. Zwischen diesen ist der Motor aufgehängt. Vom Motor führen vier Rohre zum Lenkkopf. Ein Fortschritt gegenüber den vorangegangenen Zweiradkonstruktionen von Daimler und Michaux bzw. Perreaux ist die Luftbereifung, die einen gewissen Fahrkomfort trotz fehlender Federung gewährleistet. Gebremst wird das 60 kg schwere und annähernd 40 km/h schnelle Motorrad mit einer Klotzbremse am Vorderrad. Hierbei drückt ein Hemmschuh auf die Lauffläche des Reifens. Diese Konstruktion ist extrem reifenverschleißend und zudem wenig wirksam. Der Zweizylinder-Viertaktmotor hat einen Hubraum von 1488 ccm und leistet 2,5 PS bei 240 U/min. Die Zündung erfolgt über eine bereits damals veraltete Glührohrzündung. Der Motor ist wassergekühlt, jedoch wird das Wasser nicht durch eine Pumpe – wie heute üblich – in Umlauf gebracht, sondern verdampft allmählich durch die Motorwärme. Das Wasser für diese Verdampfungskühlung wird in dem als Vorratsbehälter ausgelegten Hinterradschutzblech mitgeführt.

Erfolg und plötzlicher Konkurs

Gegen Ende des Jahres 1894 florierte die junge Firma dank breitgestreuter Werbung. Prospekte wurden in alle Welt geschickt. 1895 reichten die Räumlichkeiten nicht mehr, um alle Aufträge auszuführen. Die auf 850 Arbeiter angewachsene Belegschaft arbeitete nun außer in der Colosseumsstraße auch in kleineren Werken in der Baum-, Heu-, Müller- und Zennettistraße in München  Die Firmenleitung plante daher einen großen Fabrikkomplex. Um die Verkaufschancen in Frankreich zu erhöhen, wurde dort die »Hildebrand & Wolfmüller« von Duncan, Suberbie & Cie in Croissy in Lizenz unter dem Namen »La Petrolette« auf den Markt gebracht. Doch bereits Anfang 1895 waren die ersten Vorboten des bevorstehenden Konkurses zu erkennen. Denn mit den eingehenden Bestellungen und Verkäufen wuchs täglich auch die Anzahl der Beschwerden unzufriedener Kunden. Vor allem wurde die komplizierte Handhabung der Glührohrzündung beanstandet. Duncan, Suberbi  & Cie ging sogar vor Gericht, um die Forderungen der Kunden nach Geldrückgabe zu stoppen. Der Prozess wurde verloren – und man war gezwungen, Schadenersatz zu leisten. Wie viele Motorräder letztendlich von Hildebrand und Wolfmüller 1894/95 gebaut wurden, ist heute mit Sicherheit nicht mehr  festzustellen. Die Schätzungen liegen zwischen 800 und 2000 Einheiten. Was bleibt, ist das Verdienst, die moderne industrielle Fertigung und Grundlage der Motorrad- Serienproduktion eingeführt und damit Motorräder einem breiten Publikum zugänglich gemacht zu haben.

Auszug aus: "Meisterwerke aus dem Deutschen Museum Band V"

Am 18.10.1895 wurde der Vergleich angemeldet.